Hinter dem Vanguard Explorer 250 steckt kein Marketingteam. Die Socke wurde von einem Aufklärer entwickelt — nach einem Dienstaufenthalt in der Mongolei, wo er beobachtete, was mongolische Soldaten wissen, das in Mitteleuropa kaum jemand kennt: dass Kamelhaar Merinowolle in mehreren entscheidenden Punkten übertrifft.
Wir haben mit ihm gesprochen. Über das Material, die Konstruktion, den dreijährigen Entwicklungsweg — und darüber, warum eine Socke über Blasen und damit über Einsatztauglichkeit entscheidet.
Phase 1 — Der Ursprung
Du bist selbst Soldat und hast am eigenen Leib erfahren, was Ausrüstung unter extremsten Bedingungen leisten muss. Wie kam es dazu, dass ein Einsatz in der Mongolei den Grundstein für Vanguard und den Explorer 250 gelegt hat?
Im Winter 2012 war ich das erste Mal dienstlich in der Mongolei. Das war nur wenige Monate nach dem Einsatz in Afghanistan. Unser Auftrag war es, mongolische Soldaten für ihren Einsatz in Afghanistan taktisch und an deutschen Waffen und Gerät auszubilden. Mir war klar, dass ein Winter in der Mongolei durchaus kälter ist als in Europa. Wir haben auch zusätzliche Ausrüstung und Bekleidung vom Dienstherrn bekommen, aber mir war trotzdem saukalt. Den mongolischen Soldaten hat das Klima irgendwie nicht so viel ausgemacht. Sie belächelten das und meinten, der Winter kommt erst noch. „Im Januar fängt es erst richtig an." Und wir hatten bereits teilweise minus 20 bis minus 25 Grad — immer mit Wind und nachts noch deutlich kälter.
Also fing ich an, sie zu beobachten, um herauszufinden, was sie anders machen als wir. Ich verstand, dass mehrere Faktoren wichtig sind — Nahrung, Bekleidung, Körperpflege, um mal drei zu nennen. Ich hab mir als erstes die Bekleidung der Soldaten angeschaut und später die Bekleidung der Nomaden und der Bevölkerung in der Hauptstadt — im Übrigen ist Ulaanbaatar die kälteste Hauptstadt der Welt.
Ich habe mir die Läden und Märkte angeschaut und festgestellt, dass Socken aus heimischer Produktion sehr beliebt sind. Es gibt dort vier verschiedene Wollarten: Kaschmir, Schafwolle, Yakwolle und Kamelwolle. Ich habe mir von allen Sorten Socken gekauft und ausprobiert. Von den Materialien war ich überzeugt, aber die Konstruktion hat mir noch nicht zugesagt. Also hab ich mich von dort an intensiv mit Socken, Fasern, Funktionen und Konstruktion beschäftigt — Kontakte mit Herstellern geknüpft, Prototypen anfertigen lassen, immer weiter verändert und verbessert, in verschiedenen Klimazonen, Jahreszeiten und mit unterschiedlichem Schuhwerk getestet. Am Ende habe ich mich für die Kamelfaser entschieden. Der aktuelle Explorer 250 kam dabei raus — den man guten Gewissens auf dem Markt anbieten kann. Wir bleiben aber weiter am Ball und arbeiten auch schon an weiteren Produkten wie zum Beispiel Mützen.
Die Kamele in der Mongolei überleben Temperaturen von +40 °C im Sommer bis −40 °C im Winter. Wie überträgt sich diese extreme Überlebensfähigkeit der Natur auf den Fuß eines Soldaten oder Jägers?
Sie überleben nicht nur — sie meistern ihr Leben trotz dieser Temperaturschwankungen. Das Baktrische Kamel lebt in Steppenregionen, in Halbwüsten und in der Wüste Gobi. Dazu kommt das Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht. Diese Tiere und damit auch ihre Haarschichten und Fasereigenschaften haben sich im Laufe der Evolution so entwickelt, dass extrem hohe und extrem niedrige Temperaturen kein Problem darstellen.
Diese einzigartigen Eigenschaften der Temperaturregulierung und des Feuchtigkeitsmanagements wirken sich direkt auf den Socken und somit auf das Fußklima aus. Das Kamelhaar hält den Fuß warm, ohne zu überhitzen. Er hält den Fuß trocken und reduziert dadurch erheblich die Blasenbildung. Werden die Socken nass, schafft die Faser trotzdem bis zu 40 % des Wärmeerhaltes. Das macht die Socken zum Allrounder für unterschiedliche Jahreszeiten — perfekt für Personen mit wechselnden Belastungsphasen beim Militär, bei Behörden oder im Outdoorbereich.
Phase 2 — Material & Überlegenheit
Lass uns über den Elefanten im Raum sprechen: Merinowolle. Die ganze Outdoor-Welt hält Merino für das Nonplusultra. Warum mongolisches Kamelhaar — und warum weiß das in Mitteleuropa fast niemand?
Also eines vorweg — Merinowolle ist gut. Ich möchte Merino nicht schlechtreden. Ich habe selbst Kleidungsstücke aus Merinowolle. Jede Faser hat Vor- und Nachteile. Entscheidend sind Einsatzzweck, Verarbeitung, Materialmix und Veredelungsverfahren.
Meine Überlegung war: Wie kann man einen Socken noch besser und funktionaler für den Einsatz beim Militär und im Outdoorbereich machen, ohne chemische Veredelungsverfahren — und immer im Sinne des Tierwohls? Die Kamele in der Mongolei werden nicht einfach nur gehalten. Die nomadische Lebensart richtet sich komplett auf die Tiere aus. Sie sind quasi Teil der Familie. Ich empfehle dazu den Film „Die Geschichte vom weinenden Kamel" — er ist auf YouTube abrufbar. Die Fasern der Socken sind naturbelassen und arbeiten somit klimatisch annähernd perfekt. Eben so, wie die Natur der Kamele es vorsieht.
Ein riesiges Problem auf 30-Kilometer-Märschen ist Schweiß, der zu nassen Füßen und letztlich zu Blasen führt. Was passiert im Stiefel genau, wenn man Vanguard trägt?
Im Vergleich zu Baumwolle speichert Wolle keine Flüssigkeiten. Baumwolle wird nass und bleibt nass — das kann jeder auf langen Märschen ausprobieren, aber ich empfehle das nicht. Die spezielle Hohlfaser der Socke nimmt den Schweiß auf und befördert ihn an die Außenseite der Socke. Zusätzlich wird dieser Prozess durch die maschartige Strickung im Bereich des Fußrückens durch eine Vaporisationszone unterstützt. Der dort ankommende Schweiß verdampft und wird an den Innenraum des Stiefels abgegeben. Durch Pumpbewegungen während des Marsches wird dieser Dampf im Stiefel durch Membran und Lüftungsöffnungen nach außen geführt.
Ein guter Stiefel trägt hier als „Mitspieler" zu einem guten Fußklima bei. Der richtige Socken entscheidet über Performance und kann schlechte Eigenschaften eines Stiefels gut ausgleichen.
Phase 3 — Hardcore-Einsatz & Engineering
Wenn der Stiefel im Auswahlverfahren drei Tage lang nicht vom Fuß kommt — wie schlägt sich die Explorer 250 in Sachen Geruchsbildung? Und warum bleibt das Material unbehandelt?
Wir haben unsere Socken in verschiedensten Ländern und in allen Jahreszeiten auf Herz und Nieren getestet — im Gebirge, im Alltag, im Dienst auf Übungen und Lehrgängen, bei unterschiedlichen Truppengattungen. Unter anderem während des Einzelkämpferlehrganges und ähnlicher Lehrgänge beim französischen Militär. Das erhaltene Feedback war durchweg positiv. Die Explorer 250 reduziert den Fußgeruch sehr stark. Manche Testpersonen haben sogar von geruchsfrei gesprochen — und wir sprechen von drei bis mehr Tagen unter teilweise erheblichen Belastungsspitzen.
Warum schaffen unsere Socken das? Erstens: die besondere Beschaffenheit der Faser, die das nur leisten kann, weil sie in einem extremen Klima entstanden ist. Zweitens: die Faser ist naturbelassen — Schuppen sind am Haar vorhanden, die Faser ist nicht mit Polymeren überzogen. Drittens: die besondere Konstruktion mit verschiedenen unterstützenden Zonen.
Die Schuppen am Haar sorgen beim Wechsel zwischen Nässe und Trocknung für eine Art Selbstreinigungsprozess im mikroskopischen Bereich. Sie stoßen Bakterien, Salze und Ähnliches zu einem Teil ab — das begrenzt oder verhindert Geruch.
Wie lange hat es gedauert, bis der Materialmix und die Konstruktion aus Polsterung und Ventilation stimmte?
Die Vaporisationszone am Fußrücken war relativ schnell gedacht und umgesetzt. Was länger gedauert hat, war die Feinabstimmung des Materialmixes und die Positionierung der Verstärkungen durch die etwas robustere mongolische Schafwolle. Die Socken mussten immer wieder angepasst und in unterschiedlichen Stiefeln und Schuhen in unterschiedlichem Gelände getestet werden. Am Ende waren es ca. drei Jahre vom ersten Prototypen bis zum aktuellen Modell.
Viele scheuen echte Wollsocken, weil sie kratzen. Warum bleibt Kamelhaar auch nach mehreren 30 °C-Wäschen weich?
Weil wir im Qualitätsmanagement darauf achten, dass die Faser genau so ist, wie wir sie für die Socken brauchen. Wir verwenden nur das feine Unterhaar und nicht das grobe Deckhaar des Kamels und achten auf eine einwandfreie Verarbeitung. Zudem hat Kamelhaar weniger Lanolin — Wollfett — an der Faser als andere Wollsorten, was zu weniger Hautirritationen führt.
Phase 4 — Pionierarbeit & Ausblick
Wie reagieren Militärs und Trekker, wenn sie die Socke zum ersten Mal testen?
Zumindest ist mir derzeit keine Marke bekannt, die Kamelhaar für taktische Anwendungen oder im Outdoorbereich nutzt. Ich kenne nur Marken, die Kamelhaar vereinzelt in Alltagsbekleidung oder im Luxussegment verwenden — aber da sind wir in einem ganz anderen Bereich. Die ersten Reaktionen sind meistens ähnlich: „Oh, die sind aber schön weich." — „Meine Füße stinken gar nicht mehr." — „Kamel? Das ist interessant!" — „Die ziehe ich jetzt nicht mehr aus." Eine Testperson hat gesagt: „Die sind voll scheiße … selbst nach einer Woche stinken meine Füße nicht." Das fand ich schon etwas lustig.
Gibt es eine konkrete Rückmeldung aus der Truppe, bei der die Explorer 250 unter extremsten Bedingungen den Unterschied gemacht hat?
Ein Kamerad, der die Socken während des gesamten Einzelkämpferlehrganges getragen hat, meinte, er war der Einzige ohne Blasen. Ich hab mich darüber gefreut, konnte das aber nicht bei den anderen Teilnehmern prüfen. Ich glaube, ich habe ihm damals den zweiten Prototypen gegeben. Dieser Socken hatte nach dem Lehrgang ein kleines Loch — das gehört zur Wahrheit dazu. Diese Stelle ist mittlerweile natürlich verstärkt.
Abschließend: Warum die Vanguard Explorer 250?
Ich bin kein Freund davon, Socken wegzuschmeißen, die noch nicht kaputt sind. Es wird schon genug in unserer Gesellschaft weggeschmissen. Aber warum die Explorer 250? Wollt ihr eine funktionale Socke, die ihr bei fast allen Gelegenheiten, unter wechselnden Belastungen, in verschiedenen Jahreszeiten tragen könnt? Wollt ihr ein naturbelassenes Produkt, bei dem auch auf das Tierwohl geachtet wird? Wollt ihr endlich keine Schweißfüße und Blasen mehr? Dann probiert die Explorer 250. Sie ist die Socke, die die bisherigen Probleme wirklich zuverlässig löst — und auf unnötigen Schnickschnack verzichtet.
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